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Ohne Gerste als älteste aller Getreidearten müssten wir heute auf Whisky und Bier verzichten. Gerstenmalz ist die Grundsubstanz zur Erzeugung dieser alkoholischen Getränke.
Merkmale
Gerste gehört zu der Familie der Gräser (Poaceae). Die Pflanze wird 0,7 bis 1,2 m hoch. Der Fruchtstand ist eine Ähre mit langen Grannen. Die Ähren sind im reifen Zustand geneigt bis hängend. Botanisch betrachtet sind die Körner einsamige Schließfrüchte (Karyopsen).
Gersten werden anhand ihrer unterschiedlichen Ähren in zwei- und mehrzeilige Formen unterteilt. Die zweizeiligen Formen entwickeln pro Ansatzstelle nur ein Korn, das voll und kräftig ausgeprägt ist. Bei den mehrzeiligen Formen treten drei Körner pro Ansatzstelle auf, die sich aber nicht so kräftig entwickeln wie die der zweizeiligen Formen.
Nutzung
Da die Körner mit den Spelzen verwachsen sind, besitzt die Gerste einen hohen Zelluloseanteil (8-15 %). Ohne Spelzen enthalten Gerstenkörner 60-70 % Kohlenhydrate, überwiegend in der Form von Stärken, 11 % Eiweiße, 10 % Ballaststoffe, je 2 % Fett und Mineralien sowie das Vitamin B. Die wirtschaftliche Bedeutung von Gerste ist geringer als die der Getreidearten Weizen, Mais und Reis. Die Kornerträge der Gerste werden überwiegend als Futtergetreide verwendet, da insbesondere die Wintergerste relativ viel Eiweiß (12-15 %) enthält. Für die menschliche Ernährung können aus Gerste Grieß bzw. Graupen hergestellt werden; gelegentlich wird auch Mehl erzeugt.
Eine besondere Verwendungsform ist der Malzkaffee. Hierfür muss die Gerste erst ankeimen, bevor sie als Malz gedarrt und dann gemahlen und geröstet wird. Ein erheblicher Anteil der zweizeiligen Sommergerste dient der Biererzeugung, da deren Körner relativ wenig Eiweiß (< 9 %) und viele Kohlenhydrate (> 65 %) enthalten. Der Gerste werden auch Heilwirkungen zugesprochen. Schösslinge wirken entwässernd und fiebersenkend.
Herkunft
Ursprungsgebiete der Gerste sind der Vordere Orient und die östliche Balkanregion. Die ältesten Nachweise der Gerste lassen sich bis 10.500 v. Chr. zurückdatieren. Ab 7.000 v. Chr. begann die systematische Zuchtauswahl. Seit der Jungsteinzeit (5.000 v. Chr.) findet in Mitteleuropa Gerstenanbau statt. Während des Mittelalters war die Gerste nur in kühleren Regionen von Bedeutung. Erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist Gerste als ertragreiches Viehfutter geschätzt.
Dank der Züchtung können die Erträge, vor allem auf anspruchsloseren Standorten, mit den Weizenerträgen konkurrieren.
Anbau
Gerste gedeiht am besten auf tiefgründigen, gut durchfeuchteten Böden. Aber auch mit ungünstigen Bedingungen kommt sie gut zurecht. Ihre Winterhärte ist weniger ausgeprägt als die von Weizen oder Roggen. Beim Anbau wird zwischen Winter- und Sommergerste unterschieden. Wintergerste ist ertragreicher und wird im September gesät. Die Ausbildung von Nebentrieben (Bestockungstriebe) ist vor dem Winter abgeschlossen. Aus ihnen entwickeln sich im Frühjahr die Ähren tragenden Halme. Nach den Phasen der Bestockung (Ausbildung von Seitensprossen), des Schossens (Streckung des Halms) und des Ährenschiebens folgt die Blüte. Gerste zählt zu den Selbstbefruchtern.
In der Regel eröffnet die Wintergerste die Getreideernte. Die Aussaat der Sommergerste erfolgt im Frühjahr. Sie reift in weniger als 100 Tagen heran und benötigt deutlich weniger Wärme als die Wintergerste. Die Ernte erfolgt bei Gelb- bis Vollreife. Wintergerste liefert, je nach Standort, zwischen 50-90 dt/ha, Sommergerste zwischen 40-60 dt/ha.
Geschichte(n)
Kraft aus der Gerste
Die Ägypter verehrten die Gerste als Heiliges Geschenk der Götter. Sie verglichen den sterbenden Menschen mit einem Getreidekorn, das in die Erde fällt, um zu neuem Leben zu erwachen. Das macht auch verständlich, warum Gerste zu jener Zeit als Grabbeigabe verwendet wurde.
Die Griechen verliehen Ihren Olympiasiegern einen Sack Gerste als Belohnung im Wettkampf.
Gerste war das Hauptnahrungsmittel der römischen Gladiatoren – auch Gerstenmänner (lateinisch: hordearii) genannt. Die römischen Legionäre ernährten sich hauptsächlich von Getreidebrei. Deshalb hatten sie auch immer eine kleine Getreidemühle in ihrem Gepäck. Letzlich sorgte also die Kraftnahrung Gerste dafür, dass im Gefolge römischer Legionen die römische Kultur eine so große Verbreitung fand.
Essig aus Gerste
Viele Hochkulturen des Altertums – Ägypter, Perser, Römer, Griechen und Babylonier – stellten bereits aus Gerste Essig her. Es gibt Überlieferungen aus Mesopotamien, in denen von „saurem Bier“ die Rede ist. Dieses Produkt, von den Ägyptern „Hequa“ genannt, wurde aus Gerste gebraut und durch den Essigstich sauer. Römische Legionäre hatten ein Gemisch aus Wasser und Essig in ihren Feldflaschen, dass sie „Posca“ nannten; es wurde täglich wegen der leicht desinfizierenden, erfrischenden und das Immunsystem stärkenden Wirkung getrunken.Am Anfang ist das Malz
Ausgangsstoff für ein gutes Bier ist in der Regel eine gute Braugerste. Für ein Weißbier braucht man zusätzlich einen speziellen Brauweizen. Das frisch geerntete Getreide wird in der Mälzerei vermälzt. Dazu wird die Gerste nach dem Putzen und Sortieren in großen Behältern drei Tage lang eingeweicht. In Keimkästen lässt es der Mälzer anschließend keimen.
Nach einer Woche ist das Innere des Korns mürbe und wasserlöslich. Nach außen wächst langsam ein Keimling. Der Mälzer stoppt den Keimvorgang und trocknet das so genannte Grünmalz bei Temperaturen von 85 bis rund 100 Grad Celsius. Diesen Vorgang nennt man "Darren". Je höher dabei die Temperatur ist, desto dunkler wird das Malz.
Das Mälzen hat einen entscheidenden Einfluss auf den Charakter des Bieres, seinen Geschmack, seine Farbe, auf Schaum und Haltbarkeit. Durch das Keimen wurde die unlösliche Stärke im Getreidekorn aufgespalten, so dass sie sich beim Brauen in löslichen, vergärbaren Malzzucker umwandeln kann.
Das Malz ist neben Hopfen, Hefe und Wasser der Stoff, aus dem die Biere sind. Und von diesen gibt es in Deutschland unterschiedlichste Sorten.
Die bekanntesten Biersorten aus Gerstenmalz sind wohl das Pils, das Kölsch, das Alt, Leicht- und Schwarzbier und die Berliner Weiße. Daneben gibt es das helle und das dunkle Lager sowie die Exportbiere.
Spezialitäten sind das Eisbier, das Keller-, Kräusen-, Zwickelbier, das Märzen und das Rauchbier. Echte Kraftspender sind die Malzbiere.
Dem Zeitgeist und geänderten Geschmäckern entsprechend gibt es eine Vielzahl von Biermischgetränken.
Wer mehr über die Bierherstellung und die Sorten erfahren will: www.brauer-bund.de.

