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Klatschmohn
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Landwirtschaft und Biodiversität

Die Kulturlandschaft ist Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Diese Vielfalt von Lebensformen und Lebensräumen ist durch landwirtschaftliche Nutzung entstanden – und auch nur mit der Landwirtschaft zu erhalten.

Was ist Biodiversität?
Unter den Begriff "Biodiversität" fallen nicht nur alle wild lebenden Tier- und
Pflanzenarten sowie die unterschiedlichen Nutztiere und Kulturpflanzen der Menschen. Dazu zählen auch die genetische Vielfalt der einzelnen Tier- und Pflanzenarten sowie die Vielfalt der Lebensräume (Wiesen, Äcker, Hecken, Wälder, Moore etc.). Dieses "Gesamtpaket" unterliegt in einer Industrienation wie Deutschland naturgemäß einer Reihe von negativen Einflüssen. Dazu gehören etwa die Versiegelung von Flächen durch Industrie-, Gewerbe- und Wohnbauten, die Zerschneidung von Lebensräumen durch Eisenbahntrassen oder Straßen, aber auch Unachtsamkeit oder Sorglosigkeit im Umgang mit der Natur.

Warum Vielfalt wichtig ist
Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten bedeutet auch einen großen Pool an genetischen Ressourcen. Die Erhaltung dieses Pools ist nicht nur um seiner selbst willen notwendig, sondern auch Grundlage für die zukünftige Züchtung oder die Gewinnung von Natur- und Arzneistoffen. Ebenso schützenswert sind die Arten, die in der heimischen Kulturlandschaft leben. Dies gilt z.B. nicht nur für die Bienen, die für die Bestäubung vieler Pflanzen unverzichtbar sind. Neben dieser Funktion einer Art gibt es nämlich viele balancierende und stabilisierende Effekte von Arten und Artengemeinschaften, ohne die unsere Ökosysteme und die Naturkreisläufe nicht funktionieren würden.

Rolle der Landwirtschaft
84% der Fläche in Deutschland werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, der Artengemeinschaften und Lebensräume ist erst durch die Landwirtschaft entstanden. Und doch steht die Landwirtschaft heute zum Teil in der Kritik: Monokulturen, Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel, so die häufigsten Argumente, würden die Biodiversität gefährden und sogar zum Aussterben einzelner Arten führen. Und tatsächlich liegt das Maximum der Artenvielfalt in Deutschland schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Aber: Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen weit über die Landwirtschaft hinaus. Stichworte sind z.B. Aufgabe der Landnutzung, Beseitigung von Sonderstandorten wie Mooren, Auffüllung und Bebauung, Entwässerung oder auch Flurbereinigung. Wenn kaum noch Kulturpflanzen wie z.B. Hafer, Lein oder Flachs angebaut werden, weil entsprechend der Nachfrage am Markt vorzugsweise Weizen, Zuckerrüben, Raps oder Mais zum Anbau kommen, wird natürlich auch die Kulturartenvielfalt eingeengt. Damit schrumpft der Lebensraum der Tier- und Pflanzenarten, die mit oder von diesen
Kulturpflanzen leben.
Ob konventionelle Landwirtschaft, ökologischer Landbau - auf den Produktionsflächen selbst kann die regionaltypische Artenvielfalt auch bei "bester landwirtschaftlicher Praxis" nicht erhalten werden. Hinzu kommt: Die Natur entwickelt und verändert sich aus sich heraus; die Entwicklungsgeschichte des Lebens auf der Erde, die Evolution, ist dafür das beste Beispiel. Es ist "natürlich", dass Arten aussterben und neue Arten entstehen.

Trotzdem eine erfolgreiche Strategie: "Artenschutz mit der Landwirtschaft"
Wenn Artenschutz auf den Produktionsflächen nicht funktionieren kann, dann rücken Zwischenstrukturen wie Hecken, Gräben, Feldgehölze, Raine oder Krautstreifen in den Fokus. Diese Zwischenstrukturen sind Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten, sie sind von jeher von den Landwirten gepflegt und oft genug auch neu angelegt worden. Gerade auch mit den Agrarumweltmaßnahmen sind hier gute Ergebnisse erzielt worden. Allerdings sollten diese Strukturelemente nach Möglichkeit vernetzt sein, um den genetischen Austausch zu erlauben. Mit der Ausweisung von Schutzgebieten und vor allem durch den freiwilligen Vertragsnaturschutz durch Landwirte ist in der Vergangenheit hier schon viel erreicht worden.

Vielfalt: nicht immer erwünscht
Die Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten sowie von Lebensräumen ist gut - aber nicht immer und überall. Das klingt auf den ersten Blick erstaunlich, trifft aber weit über die Landwirtschaft hinaus zu.
Tatsache ist: Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die der Lebensräume - all das sind Teile einer unersetzlichen Ressource. Deren Schutz und Erhaltung ist eine Aufgabe, der sich die Menschheit weltweit stellen muss, und zwar zum Teil noch viel intensiver und ernsthafter als bisher. Es ist fatal, dass auch heute noch tropische Regenwälder gerodet werden, um beispielsweise Ölpalmen anzubauen. Die Regenwälder gelten als die reichhaltigsten Lebensräume, und noch lange nicht alle dort lebenden Tier- und Pflanzenarten sind bekannt. Gleichermaßen sind Naturschutzgebiete, Biosphärenreservate oder Biotope in Deutschland wertvolle Flächen, die es als Vorranggebiete für den Natur- und Artenschutz zu erhalten gilt.
Der Mensch stellt bei der Nutzung seiner Umwelt aber Ansprüche, die nicht unbedinggt mit der Vielfalt von Tiere und Pflanzen vereinbar sind. Auf Gleisanlagen der Deutschen Bahn ist Biodiversität beispielsweise völlig unerwünscht, da Pflanzen mit ihrem Wurzelwachstum das Schotterbett der Gleise lockern und damit die Verkehrssicherheit der Züge gefährden können. Auf Flughäfen ist die Ansiedlung von Vögeln ein Risiko, weil Vogelschlag zum Ausfall der Triebwerke startender oder landender Flugzeuge führen kann. Aber auch unsere Autobahnen, Bundes- oder Landstraßen sind Vorrangflächen für den Verkehr - und damit beileibe keine Biotope mit vielfältiger Tier und Pflanzenwelt. Die Liste der Areale, in denen Biodiversität nicht erwünscht ist, lässt sich erweitern. Die meisten Gartenbesitzer wünschen sich einen gut gepflegten englischen Rasen: Das ist nichts anderes als ein sehr eingeschränktes Spektrum von Pflanzenarten – und damit keine Vielfalt. Gleiches gilt für Golf- und sonstige Sportplätze. Schließlich gilt auch in der Landwirtschaft, dass z.B. bei dem Anbau von Weizen eben Weizenkörner, nicht aber Klettensamen und sonstiges "Beiwerk" geerntet werden sollen. Auf den Produktionsflächen in der Landwirtschaft ist eine bunte Mischung von Pflanzen damit weder möglich noch wünschenswert.

Stichwort Effizienz
Neben der Qualität der in der Landwirtschaft erzeugten Produkte wird noch ein weiterer Aspekt immer wichtiger: Die weltweit verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche ist begrenzt. Bei weiter wachsender Weltbevölkerung wird die Fläche, die rechnerisch für die Versorgung jedes einzelnen Menschen zur Verfügung steht, immer kleiner. Auf dieser pro Kopf immer kleiner werdenden Fläche sollen aber nicht nur pflanzliche und tierische Nahrungsmittel, sondern in zunehmendem Umfang auch pflanzliche Bioenergieträger erzeugt werden, die zur Herstellung von Biogas und damit Strom, Biodiesel oder Bioethanol genutzt werden.
Wenn aber der "Faktor Fläche" knapp ist, dann muss er effizient und produktiv genutzt werden. Das bedeutet, dass Artenvielfalt in der landwirtschaftlichen Nutzfläche zusätzlich zu der angebauten Kultur kein Produktionsziel sein kann. Denn: Alle Pflanzen, die neben der Kulturpflanze wachsen, konkurrieren auf der Fläche um Standraum, Wasser, Licht und Nährstoffe und schmälern damit die Effizienz der Bewirtschaftung.

Auf "gute Nachbarschaft"
So rücken Strukturelemente wie Hecken, Feldgehölze, Raine und Gräben in den Blickpunkt. Neben den ausgewiesenen Naturschutzgebieten sind es genau diese Bestandteile der Kulturlandschaft, die Vielfalt und Artenreichtum gewährleisten. Eine Unterteilung der Landschaft in verschiedene Vorranggebiete, sei es für die landwirtschaftliche Produktion, für Verkehr und Siedlungen oder eben für den Naturschutz erlaubt es, Vielfalt neben der Nutzung zu erhalten und mit dem knappen Faktor Fläche dennoch so effizient wie möglich umzugehen.