unterirdisch
Erst 1747 entdeckte der Apotheker Andreas Markgraf, dass sich aus Rüben der damals begehrte Zucker gewinnen lässt. Wollte man vorher Speisen süßen, war man überwiegend auf Honig oder Fruchtsüße angewiesen.
Merkmale
Die Zuckerrübe gehört botanisch zur Familie der Gänsefußgewächse. Die Rübe wächst überwiegend unterirdisch. Die Blätter bilden eine grundständige Blattrosette mit langen kräftigen Stielen aus.
Nutzung
Der Zuckergehalt in den Rüben liegt bei etwa 20 %. Das Rübenblatt wird verfüttert
oder bleibt als Dünger auf dem Feld. Aus ökonomischer Sicht ist die Zuckerrübe die gewinnbringendste Ackerbaufrucht. Ihre Produktionsmenge ist EU-weit kontingentiert. In den Zuckerfabriken werden die Rüben zu Schnitzeln zerkleinert. Diese werden mit Wasser versetzt und erhitzt. Der so entstandene Rohsaft wird eingedampft, bis schließlich brauner Rohzucker abzentrifugiert und auskristallisiert wird.
Rohzucker wird anschließend zu weißem Zucker weiterverarbeitet. Die Rückstände der Zuckerherstellung, wie Rübenschnitzel oder Melasse, stellen wertvolle Futtermittel dar. Der Zucker kommt entweder direkt in den Handel (rund 20 %) oder wird in der Lebensmittelindustrie als Süßmittel eingesetzt (80 %).
Wichtige Abnehmer sind dabei die Hersteller von Getränken, Süßwaren, Dauerbackwaren, Marmeladen und Obstkonserven. Im Nicht-Ernährungsbereich sind die Einsatzgebiete von Zucker sehr vielfältig. In der Chemieindustrie wird Zucker zur Herstellung von Folien, Polsterungen, Klebstoffen, Kosmetika, Lacken oder Pharmaka verwendet. Aus der Glukose werden Glukonsäure, Tenside und Sorbitol gewonnen. Sie sind Ausgangsstoffe für Waschmittel, Pharmaka, Konservierungs-, Wasch- und Reinigungsstoffe sowie Kunststoffe.
Fruktose findet als Alkohol oder Aldehyde Einsatz bei der Erzeugung von Farben und Agrochemikalien. Durch biotechnische Verfahren lassen sich aus Zucker biologisch abbaubare Kunststoffe für die Herstellung von Bechern, Folien oder Flaschen gewinnen.
Herkunft
Als Urform der Rübe gilt die Wildbete. Der älteste Fund stammt aus der Zeit von 2.000 v. Chr. aus Holland. Die erste Erwähnung der Rübe als Nutzpflanze stammt aus Babylonien (800 v. Chr.). Über den Seehandel gelangte sie nach Europa. Hier wurde die Rübe lange Zeit als Futterpflanze angebaut.
Zucker war früher in Europa ein rares Produkt. Zum Süßen von Speisen verwendete man Honig oder Früchte. Erst im 11. Jahrhundert begann in Europa der Handel mit dem teueren Rohrzucker aus den arabischen Ländern. Im Jahr 1747 entdeckte der Apotheker A. Markgraf, dass Rüben und Rohrzucker identisch sind. Die systematische Züchtung der Zuckerrüben begann im 18. Jahrhundert. Die erste Zuckerrübenfabrik eröffnete 1802, seit etwa 1850 wird Rübenzucker in größerem Umfang produziert.
Anbau
Die Zuckerrübe stellt hohe Anforderungen an Boden und Klima. Sie gedeiht am besten auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden mit guter Wasserversorgung. Warmes Klima mit langer Sonnenscheindauer fördert das Rübenwachstum in besonderem Maße.
Die Aussaat erfolgt ab 5 °C Bodentemperatur im März mit einer Einzelkornsämaschine. Pro m2 werden sieben bis neun Pflanzen angestrebt. Die Ernte im Spätherbst erfolgt mit hochmodernen Rübenvollerntern, die die Blätter abschneiden, die Rübe aus der Erde heben und in einem Sammelbunker ablegen. Die Erträge liegen zwischen 450 und 800 dt/ha.
Sauerstoffproduzent
Mit ihren großen weit ausladenden Blättern kann die Zuckerrübe das einfallende Sonnenlicht optimal nutzen. Pro Hektar Fläche produzieren Zuckerrüben 15,3 Mio. Liter Sauerstoff pro Jahr. Das ist vier Mal so viel wie eine vergleichbare Waldfläche liefert - Sauerstoff für 64 Menschen.
Woher der Zucker kommt
Die weltweit drei bedeutendsten Zuckerproduzenten sind Brasilien mit einer Produktion von 24,8 Mio. Tonnen, Indien (22,1 Mio. t) und China (11,1 Mio. t). Der Zucker wird in diesen Ländern aus Zuckerrohr gewonnen. Die wichtigsten Herstellerländer für Rübenzucker in Europa sind Frankreich mit 4,4 Mio. t und Deutschland mit 4,2 Mio. Die Anbaufläche von Zuckerrüben betrug in Deutschland im Jahr 2007 406.000, in Frankreich 394.000 Hektar.
Zucker in den Tank?
Durch den steigenden Ölpreis wird aus Zucker gewonnenes Ethanol als alternativer Treibstoff immer attraktiver. In Brasilien fährt bereits der Großteil der Neuwagen mit Ethanol-Kraftstoff, in Europa wird es dem Benzin in kleinen Mengen beigemischt.


